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Die Rolle der Zeitarbeit in einem sich ändernden Arbeitsmarkt

IWG-Gutachen_Zeitarbeit_-_November_2007.pdf

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Datum: 03.03.2008
Format: pdf
Größe: 328 KB
Autor: Prof. Dr. M. Miegel; S. Wahl; M. Schulte

Sprache: DE
©:

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Beschreibung

In den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren werden in Deutschland die Bedingungen für die Zeitarbeit ambivalent sein. Einerseits steigt ihre Bedeutung, andererseits wächst mit ihrer Bedeutungszunahme der Widerstand, den Gewerkschaften sowie Teile der Politik gegen sie leisten.

Auszug des Inhalts (unformatiert)

[...] Nur so lassen sich ihre wachsenden Potentiale ungeschmälert nutzen. 4. Die weitere Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist derzeit unklar. Kurzfristig sind weitere Lockerungen unwahrscheinlich und selbst restriktivere Regelungen nicht auszuschließen. Auf mittlere Sicht dürfte die Zeitarbeit allerdings in die EU-Dienstleistungsrichtlinie einbezogen werden, was ihren Handlungsraum erweitern würde. 5. Da auch Zeitarbeitsunternehmen von der Globalisierung des Arbeitsmarktes erfasst werden, sollten sie sich schnellstmöglich auf diese Entwicklung einstellen und von sich aus regionale und nationale Grenzen überwinden. Ferner sollten sie zur Verbreiterung ihrer Basis ihre Angebotspalette erweitern und zusätzliche Personaldienstleistungen erbringen. Unternehmen, die hierzu nicht in der Lage sind, sollten sich spezialisieren. 6. Insgesamt sollten Zeitarbeitsunternehmen nicht nachlassen, ihr Image zu verbessern. Hier bestehen noch Defizite, die nicht zuletzt deshalb überwunden werden müssen, weil nur so genügend Zeitarbeitskräfte auf einem tendenziell enger werdenden Arbeitsmarkt rekrutiert werden können. Das gilt besonders für hoch qualifizierte und spezialisierte Erwerbspersonen. Ein wesentlicher Bestandteil der Imageverbesserung ist ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsprogramm sowie die konsequente Einhaltung von Tarifverträgen. 8 1. Gegenwärtige Bedeutung der Zeitarbeit Derzeit gibt es in Deutschland rund 7.700 Zeitarbeitsunternehmen. 2 3 1 Sie beschäftigen rund 670.000 Arbeitskräfte . Dies entspricht 1,7 Prozent der Erwerbstätigen. Im internationalen Vergleich liegt der Anteil der Zeitarbeitnehmer in Deutschland, wie Schaubild 1 für das Jahr 2006 zeigt, im Mittelfeld. Deutlich höhere Anteile weisen die USA, Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Frankreich auf. Weniger verbreitet ist die Zeitarbeit dagegen in den süd- und osteuropäischen sowie skandinavischen Ländern. Schaubild 1: Zeitarbeitnehmer im internationalen Vergleich 2006 5 in % der Erwerbstätigen 5 4 4,5 4 3 2,5 3 2,4 2,1 2,0 2 2,4 2 1,9 1,5 1,5 1,5 1,4 1,0 1 1,3 1 0,9 0,9 0,8 0,8 0,7 0,7 0,7 0,7 0,5 0,3 0,2 0,1 Griechenland* 0 Österreich Norwegen Slowakai Portugal Schweiz Belgien Frankreich Finnland Japan Tschech. Rep. Argentinien Niederlande Deutschland Schweden Italien Irland Dänemark Luxemburg Spanien UK USA Ungarn 0 *Werte von 2004 Quelle: International Confederation of Private Employment Agencies (ciett) (2007); Statistisches Bundesamt (2007), Bundesagentur für Arbeit (2007) Rund zwei Prozent der deutschen Betriebe nutzen das Instrument Zeitarbeit. In Betrieben mit mindestens 500 Beschäftigten liegt der Nutzungsgrad, wie Schaubild 2 verdeutlicht, allerdings bei 35 Prozent. Dabei werden in vier Fünftel dieser Betriebe nicht mehr als fünf Zeitarbeitnehmer gleichzeitig eingesetzt. Nur ein Fünftel der Betriebe nutzt die Zeitarbeit intensiver. Ihr Anteil nimmt zu. 4 Südkorea Polen 9 Schaubild 2: Verbreitung der Zeitarbeit nach Betriebsgröße 2004 Betriebe, die Zeitarbeit einsetzen, in % aller Betriebe Gesamtwirtschaft 2,0 500 und mehr Beschäftigte 35,1 50 bis 499 Beschäftigte 17,4 1 bis 49 Beschäftigte 1,8 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Quelle: Promberger u.a. (2006) (IAB-Betriebspanel 2004) Keine Beschäftigungsform wächst in Deutschland so stark wie die Zeitarbeit. Während die Zahl der Beschäftigten insgesamt, wie Schaubild 3 zeigt, von Mitte der 1990er Jahre bis 2007 um 1,4 Millionen bzw. 4,2 Prozent auf etwa 35,3 Millionen stieg und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sogar um 1,2 Millionen bzw. 4,2 Prozent auf knapp 27 Millionen sank, nahm die Zahl der Zeitarbeitnehmer im gleichen Zeitraum um über 500.000 bzw. 300 Prozent zu. Besonders stark war diese Zunahme in den zurückliegenden zwei Jahren. So ist der Beschäftigungszuwachs 2006 und 2007 um insgesamt 800.000 Arbeitskräfte zu 37 Prozent auf den zahlenmäßigen Anstieg der Zeitarbeitnehmer zurückzuführen. 5 10 Schaubild 3: Entwicklung ausgewählter Beschäftigungsformen* 1995 bis 2007** 1995 = 100 400 360 320 280 240 200 160 120 80 1995 400 360 320 280 240 200 160 120 80 2007 Zeitarbeitnehmer Ausschließl. geringfügig Beschäftigte Selbständige Beschäftigte insgesamt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 *Arbeitnehmer, Selbständige und Zeitarbeitnehmer jeweils Jahresdurchschnitt. Sozialversicherungspflichtig sowie ausschließlich geringfügig Beschäftigte jeweils Durchschnitt der Monate März, Juni, September und Dezember. **Werte für 2007 geschätzt. Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Gemeinschaftsdiagnose Herbst '07, IWG BONN Allerdings ist damit die arbeitsmarktpolitische Bedeutung der Zeitarbeit, gemessen am Anteil der Beschäftigten und der Unternehmen, die diese Beschäftigungsform nutzen, noch immer gering. Doch aus vielen Unternehmen ist diese Beschäftigungsform nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglicht ihnen, flexibel und schnell auf veränderte Anforderungen zu reagieren. Dadurch trägt sie zur Dynamik und Flexibilität des Arbeitsmarktes insgesamt bei. Darüber hinaus ist die Zeitarbeit ein wichtiges Instrument, um Arbeitskräfte, die aufgrund ihrer unzulänglichen oder ungeeigneten Qualifikation keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben oder aus diesem gedrängt werden würden, in Beschäftigungsverhältnisse zu bringen (Standardzeitarbeit). Eine ganz andere Funktion erfüllt die Zeitarbeit im Bereich höherer und hochqualifizierter Tätigkeiten. Hier treibt sie den Trend zu Spezialisierung und Hochqualifizierung und damit zu wissensintensivem Wirtschaften voran (Spezialzeitarbeit). 11 Diese drei recht unterschiedlichen Funktionen der Zeitarbeit sind im Folgenden zu beachten: - Dynamisierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes - Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen für gering oder falsch Qualifizierte (Standardzeitarbeit) - Bereitstellung (knapper) hochqualifizierter Arbeitskräfte (Spezialzeitarbeit). 12 2. 2.1 Gründe für Bedeutungszunahme der Zeitarbeit Wachsender Flexibilisierungs- und Kostendruck Viele Unternehmen sind aufgrund des Einsatzes neuer Techniken und der Globalisierung einem wachsenden Flexibilisierungs- und Kostendruck ausgesetzt. Die Nutzung von Fremdpersonal im Rahmen der Zeitarbeit ermöglicht es ihnen, ihre Produktion flexibler an die immer stärkeren Schwankungen von Nachfrage und Produktionskapazitäten anzupassen. Für die Zeitarbeit spricht, dass bei ihr keine Such- und Entlassungskosten anfallen und sie sofort begonnen und beendet werden kann. Außerdem bietet Zeitarbeit für die Unternehmen Kostenvorteile, da keine eigene Personalreserve vorgehalten werden muss. Die Zeitarbeit befriedigt den wachsenden Flexibilisierungsbedarf von Unternehmen durch die: - Bewältigung kurzfristigen, unvorhergesehenen Personalbedarfs aufgrund unerwarteter Auftragseingänge oder saisonaler und konjunktureller Auftragsspitzen - Überbrückung kurzfristiger, vorübergehender Ausfälle permanent Beschäftigter, z.B. aufgrund von Krankheit, Urlaub oder Elternzeit. In beiden Fällen kommt Zeitarbeit in der Regel allerdings erst zum Einsatz, wenn interne Flexibilisierungsinstrumente wie Überstunden, Arbeitszeitkonten oder die flexible Handhabung von Urlaubstagen ausgeschöpft sind. Zudem wird sie häufig mit anderen externen Flexibilisierungsinstrumenten wie befristeter, Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung kombiniert. 6 Neben der Überbrückung von personellen Engpässen wird Zeitarbeit seit den 1990er Jahren in Kundenunternehmen zunehmend strategisch, das heißt permanent oder projektbezogen, eingesetzt: - zur Senkung von Arbeitskosten Werden Zeitarbeitskräfte erheblich geringer entlohnt als Stammarbeitskräfte, senkt ihr Einsatz die Arbeitskosten. Dadurch können 13 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen oder gefährdete Arbeitsplätze erhalten bleiben. Möglich ist allerdings auch, dass teurere Stammarbeitkräfte durch billigere Zeitarbeitskräfte ersetzt werden. Auf letzteres ist ein Teil der Zunahme konzerninterner Zeitarbeit zurückzuführen. - zur Abwicklung anspruchsvoller, zeitlich befristeter Projekte wie Entwicklungsarbeiten, die Umstellung auf neue Bilanzvorschriften oder die Einrichtung einer betriebseigenen Software Bei der Projektzeitarbeit stellen Zeitarbeitsunternehmen spezifisches Know-how zur Verfügung, das im Kundenunternehmen nicht ausreichend vorhanden ist. Für das Kundenunternehmen wäre es ökonomisch nicht sinnvoll, dieses Know-how selbst zu erwerben. Schaubild 4: Dauer der Beschäfti[...]

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Kategorie: Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt (273), Wirtschaft (253)

Schlagworte: Arbeitszeit (61), Flexibilität (12)

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