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Lebenszeit und Arbeitszeit

Garhammer_Lebenszeit_und_Arbeitszeit_2007.pdf

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Datum: 25.05.2007
Format: pdf
Größe: 149 KB
Autor: Manfred Garhammer

Sprache: DE
©:

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Beschreibung

In diesem Beitrag geht es um eine skizzenhafte Bestandsaufnahme der Auswirkungen von längeren und flexibleren Arbeitszeiten auf den Lebensverlauf.

Auszug des Inhalts (unformatiert)

[...] So bringt es die ?Durchschnittsfrau? nur noch auf 1,3 Kinder. In diesem Kontext wird eine ?Work-LifeBalance? als Vereinbarung von Berufsverlauf und Familiengründung gefasst. Die Zielgruppe sind dabei v.a. deutsche gut ausgebildete Frauen, deren Arbeitspotential besser ausgeschöpft werden soll. Maßnahmen dafür sind die Einführung des Elterngelds, die Erleichterung des Wiedereinstiegs ins Erwerbsleben und der Ausbau der öffentlichen Betreuung für Kinder bis 3 Jahre. Die Politik bekennt sich dabei nicht selten zum funktionalistischen Ansatz, der an die deutschstämmige Bevölkerung als Ressource der Nation denkt ? viele Migranten würden ja gern dazu gehören, dürfen es aber nicht. Das Leitmotiv dieser Vereinbarkeitspolitik ist die Sorge, dass der gewünschte Beitrag der qualifizierten deutschen Frauen zum Erwerbsleben mit dem für die deutsche Bevölkerung bislang nur mangelhaft zusammengeht. So wenig hier über die Familie hinausgehende Zeitwünsche positiver Ausgangspunkt sind, so unumstritten werden in diesem Vereinbarkeitsideal von Beruf und Familie die Anforderungen der Berufswelt genommen: Nicht diese muss sich, so der Mainstream, radikal ändern, um Frauen mehr Zeit für sich und für ihre Kinder zu ermöglichen, sondern: Mit vermehrten und flexibler geöffneten Betreuungseinrichtungen der Betriebe, Kinderkrippen und Kitas soll es Müttern leichter gemacht werden, möglichst flexibel bzw. ganztags beruflich verfügbar zu sein. Das dazu passende neue Leitbild ? das derzeit auch in der CDU reformiert wird und die Gegenstimmen der alten Leitbildvertreter der katholischen Kirche hervorruft ? ist das der karrierebewussten Mutter, die die Anforderungen von Beruf und Familie locker und strahlend meistert, ein Leitbild, das die Familienministerin in persona verkörpert. An diesem Punkt stellt sich eine Kernfrage der Arbeitszeitpolitik: Wollen wir eine Gesellschaft, in der die Flexibilisierung der Arbeitszeiten (wie die Ausdehnung der Ladenöffnung rund-um-die-Uhr in einigen Bundesländern) durch flexibilisierte Kinderbetreuung gestützt wird, im Extremfall durch Betriebskindergärten, die nachts geöffnet sind? Wird eine 24-hour-economy dann sozialverträglich, wenn sie auch die Infrastruktur der Kinderbetreuung einschließt? Mit der Zugänglichkeit von Läden, Behörden und Kinderbetreuungseinrichtungen am Abend und Wochenende wird der Balanceakt Zeit in der Familie kaum leichter. Ein Beispiel dafür ist Ostdeutschland, wo mit der immer noch besseren Versorgung mit Kinderkrippen (40% im Vergleich zu 7%) die Geburtenzahl von 2,2 auf 1,2 abgestürzt ist. Schließlich, und das ist der dritte politische Kontext der Debatte, denkt man im Zug der Verbreitung von Arbeitszeitkonten über neue Verwendungsmöglichkeiten der langfristig angelegten Zeitguthaben nach. Dazu gehören die Nutzung für die Pflege älterer Familienangehöriger ? deren Kosten auf diese Weise privatisiert werden ? wie die Nutzung für berufliche Weiterbildung, an deren zeitlichen und finanziellen Kosten sich Arbeitnehmer ebenfalls beteiligen sollen. Das ist eines von vielen Beispielen für die Neujustierung der Grenzen von Arbeits- und Privatleben: Der Arbeitnehmer soll seine gesamte Biographie als Gelegenheit zur Bildung seines Humankapitals sehen. Mit dieser Skizze des öffentlichen Diskurses sind Fallen angesprochen, derer man sich bei einer Neuorganisation der Arbeitszeit im Lebensverlauf bewusst sein sollte. Wenn Arbeitszeit als Bestandteil einer umfassend angelegten Zeitpolitik verstanden werden soll, dann geht es um die Wiedergewinnung der Lebenszeit in einem offenen Sinn (Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik 2006). Es geht darum, Zeit als eigenständigen Wert zu definieren, unabhängig z.B. von der funktionalistischen Widmung an die Mutterschaft oder die Weiterbildung. In der zeittheoretischen und -politischen Literatur ist dafür der Begriff Zeitwohlstand vorgeschlagen worden (Rinderspacher 2002). Er geht hinaus über eine bessere Verteilung feststehender Arbeitszeiten über Tages-, Wochenund Lebenszeiten. Dagegen wird üblicherweise ?Work-Life-Balance? definiert als Ausbalancieren gegensätzlicher Anforderungen, deren Kriterien nicht in Frage gestellt werden, so dass auch die Frage der Dauer der Arbeit nicht gestellt wird. Folgerichtig mündet ein solches Ideal der Balance entweder in die Vorstellung subjektiver Kompetenzen der Frauen oder Familien für ein Zeitmanagement oder in die Vorstellung einer geschickten Verteilung von im Prinzip feststehenden Arbeitszeiten über Lebensphasen (Boulin/ Hoffmann 1999). Wenn Zeitguthaben z.B. erst angespart werden müssen, um im Bedarfsfall entnommen werden zu können, wird das Quantum an Lebensarbeitszeit als fix unterstellt. Dagegen, so lautet die hier vertretene These, ist eine Vereinbarkeit von Arbeit und Leben nicht ohne eine drastische Verkürzung der Wochen- und Lebensarbeitszeit zu haben. Nur dies entlastet den Alltag und das Leben vom chronischen Zeitdruck, der sich in bestimmten Lebensphasen wie der ?rush hour of life? (Bertram 2006) noch zuspitzt. Die massiven Verpflichtungen, die sich aus der Familie ergeben, fallen in die Lebensphase [...]

Diesem Dokument zugeordnet

Kategorie: Familie-Leben-Zeit (257)

Schlagworte: Arbeitszeit (61), Flexibilität (12), Vereinbarkeit Beruf und Familie (195), Zeit (93)

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