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Deutschland im Umbruch

Baethge_Bartelheimer_Deutschland_im_Umbruch.pdf

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Datum: 26.10.2006
Format: pdf
Größe: 189 KB
Autor: M. Baethge, P. Bartelheimer

Sprache: DE
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Beschreibung

Vielfalt und Ungleichheit stellen heute die Institutionen des deutschen Produktions- und Sozialmodells vor neue Herausforderungen. Die Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse des ersten Berichts zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland wählt Befunde unter einigen wenigen Gesichtspunkten aus, die für eine gesellschaftliche Situationsdeutung zentral scheinen.

Auszug des Inhalts (unformatiert)

[...] Die ?Lissabon-Strategie? der Europäischen Union etwa spricht im Zusammenhang mit der Modernisierung des ?europäischen Gesellschaftsmodells? von einer ?neuen Gesellschaft mit besseren individuellen Wahlmöglichkeiten für Männer und Frauen? (Europäischer Rat 2000). Lässt sich die wachsende Vielfalt individueller Lebensweisen als Indikator ?guter? Gesellschaftsentwicklung, nämlich wachsender Wahlmöglichkeiten in einer ökonomisch reicheren Gesellschaft deuten, so zeigt dagegen die zunehmende Ungleichheit von Lebenslagen und Teilhabechancen eine Störung des Zusammenhangs zwischen ökonomischer und sozialer Entwicklung an. Je mehr individuelle Verschiedenheit das erreichte Niveau gesellschaftlicher Entwicklung ermöglicht, desto ausgrenzender werden alte und neue Strukturen sozialer Ungleichheit empfunden, die Individuen und Haushalte von solchen Wahlmöglichkeiten ausschließen. Die gleichzeitige Zunahme von Vielfalt und Ungleichheit hat zur Folge, dass die heutige gesamtdeutsche Gesellschaft politisch und sozial wesentlich schwerer zu integrieren ist als die Bundesrepublik der Nachkriegsjahrzehnte, in denen über Klassen- und Milieugrenzen hinweg eine Angleichung von Lebensweisen in greifbare Nähe zu rücken schien. Die eigensinnigen Bedürfnisse und Lebenskonzepte von Individuen und Haushalten als Grenzen politischer Gestaltung zu respektieren, kann nicht den Rückzug des Sozialstaats bedeuten. Vielfalt und Ungleichheit stellen heute die Institutionen des deutschen Produktions- und Sozialmodells vor neue Herausforderungen. Die nachstehende Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse des ersten Berichts zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland zielt nicht auf Vollständigkeit. Sie wählt Befunde unter einigen wenigen Gesichtspunkten aus, die für eine gesellschaftliche Situationsdeutung zentral scheinen. Quellen und Berechnungskonzepte zum hierbei verwendeten Zahlenmaterial sind in den einzelnen Kapiteln des Berichts nachgewiesen. 2.1. Deutschland als Erwerbsgesellschaft: Stabilität und Unsicherheit1 Befunde Deutschland bleibt eine Arbeitsgesellschaft. Erwerbsbeteiligung ist für die große Mehrheit der Bevölkerung die Aktivität, die ihre Lebensweise bestimmt und über ihre soziale Sicherung entscheidet. Daran haben bislang weder demographische Trends noch veränderte Lebensweisen noch gesamtwirtschaftliche Unterbeschäfti1 Siehe insbesondere Kap. II.1, Kap. III.1, Kap. III.2 und Kap. III.3. 14 Baethge, Bartelheimer gung etwas Grundlegendes geändert. Die Bevölkerung im Erwerbsalter macht heute (2000) wie in den 50er und 60er Jahren zwei Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Die Zahl der Erwerbspersonen hat in Westdeutschland langfristig absolut wie relativ (als Erwerbsquote gemessen) zugenommen, während die der Nichterwerbspersonen leicht abnahm. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts liegen die Erwerbsquoten (nach dem Mikrozensus 2002) für Männer bei gut 80%, für Frauen im Westen bei ca. 64% (im Osten bei 73%) Der Erwerbswunsch liegt noch deutlich höher: Berücksichtigt man zusätzlich die stille Reserve, so haben (nach dem Soziooekonomischen Panel 2001) nur zehn Prozent der Männer und nur 18% der westdeutschen bzw. 15% der ostdeutschen Frauen keine Erwerbsorientierung. Gewinnt der Arbeitsmarkt als zentrale gesellschaftliche Teilhabeinstanz auf der Angebotsseite mithin eher noch an Bedeutung, steht dem jedoch eine schwächere Nachfrage gegenüber. Die realisierte Erwerbsbeteiligung, gemessen an den Erwerbstätigenquoten oder am Volumen bezahlter Erwerbsarbeitsstunden, ist insgesamt rückläufig und differenziert sich sozial aus. Zwar arbeiten die Deutschen heute anders als in den 70er Jahren. Doch diese Änderungen, zu denen auf der Angebotsseite veränderte Lebensweisen und Arbeitslosigkeit, auf der Nachfrageseite betriebliche Flexibilisierungsstrategien beitragen, betreffen nicht die ganze Erwerbsbevölkerung in gleicher Weise. Die Auseinanderentwicklung einer relativ stabilen und einer unsicheren Zone der Erwerbsbeteiligung soll zunächst für das alte Bundesgebiet dargestellt werden, bevor (unter 2.3.) auf die Sonderentwicklung Ostdeutschlands eingegangen wird. Für einen zwar schrumpfenden, aber immer noch mehrheitlichen Teil der westdeutschen Erwerbsbevölkerung findet Erwerbsbeteiligung auch heute trotz Massenerwerbslosigkeit, neuer Erwerbsformen und betrieblicher Flexibilisierungsstrategien in einer Zone relativ stabiler Beschäftigung statt, in der Flexibilisierung vor allem als unternehmensinterne Veränderung vor dem Hintergrund einer allgemein unsicheren Arbeitsmarktsituation erfahren wird. ? ? 2002 arbeiteten im Westen zwei Drittel der erwerbstätigen Männer, jedoch nur 46% der Frauen in unbefristeter, abhängiger Vollzeitbeschäftigung. Für die westdeutschen Männer der Geburtsjahre 1945 bis 1951, deren Haupterwerbsphase (31. bis 50. Lebensjahr) in die Zeit von der Mitte der 70er Jahre bis 2001 fiel, blieb kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit offenbar noch die Norm: Sie waren in dieser Zeit noch zu 91% überwiegend, zu 75% sogar durchgängig erwerbstätig, und dies fast ausschließlich in Vollzeit. Bei den westdeutschen Frauen der gleichen Altersjahrgänge sah dies anders aus: Von ihnen waren nur etwa 55% in diesem Zeitraum überwiegend erwerbstätig und nur 32% durchgängig; noch weniger Frauen (29%) arbeiteten überwiegend in Vollzeit. 91% der westdeutschen Männer und 93% der Frauen dieser mittleren Altersgruppe (30 bis 50 Jahre) waren im Drei-Jahreszeitraum 1998 bis 2000 entweder gar nicht von Arbeitslosigkeit betroffen oder durchliefen nur eine kurze Phase der Sucharbeitslosigkeit (bis zu 6 Monaten). 88% der im Westen unbefristet Erwerbstätigen hielten 2001 einen Verlust ihres Arbeitsplatzes für unwahrscheinlich. ? ? I.1 Deutschland im Umbruch ? 15 Im Jahr 2002 galt für 71% der westdeutschen Vollzeitarbeitsplätze in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten eine Tarifbindung, 48% hatten zudem einen Betriebsrat. Neben dieser Zone entsteht ein Bereich unsicherer Erwerbsbeteiligung. In dieser noch kleinen, jedoch neuartigen Zone flexibler, nicht standardisierter Erwerbsarbeit, wie sie die alte Bundesrepublik nicht kannte, sind niedrige Einkommen, Wechsel von Beschäftigung, Maßnahmen der Arbeitsförderung, und Bezug von Lohnersatzleistungen sowie Kombinationen von Erwerbseinkommen und lohnergänzenden Leistungen die Regel, und unbefristete, sozialversicherte Jobs, die dem Normalarbeitsverhältnis entsprechen, die Ausnahme. ? In Westdeutschland waren 2001 7% der Männer und 15% der Frauen der mittleren Altersgruppe (30 bis 50 Jahre) beschäftigungslos (gemeldete und nicht gemeldete Erwerbslosigkeit, stille Reserve, Basis ist die gesamte Wohnbevölkerung dieses Alters). 13% aller in der Arbeitslosenversicherung gemeldeten Männer und 15% der Frauen bezogen während der Jahre 1996 bis 2000 für längere Zeit (25% und mehr ihrer Erwerbszeit) Lohnersatzleistungen. Die Erwerbspersonen, die sich in dieser Zone unsicherer Erwerbsbeteiligung bewegen, entsprechen zu großen Teilen nicht dem Bild, das sich die Gesellschaft von Langzeitarbeitslosen macht. Viele von ihnen wechseln häufiger zwischen Phasen der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit, ohne die Zone beruflicher Gefährdung zu verlassen. Der Zone beruflicher Unsicherheit sind auch Erwerbsformen wie unfreiwillige bzw. geringfügige Teilzeit, Alleinselbständigkeit, Befristung und Leiharbeit zuzuordnen, jedenfalls dann, wenn sie für die so Arbeitenden keine ?Brücke? zu normalitätsnaher Beschäftigung mehr bilden, sondern zum erwerbsbiografischen Schicksal werden: In westdeutschen Betrieben und Verwaltungen arbeitete 2001 etwa ein Viertel der Belegschaften (24%, mit deutlichem Schwerpunkt im Dienstleistungsbereich) in nicht-standardisierten Beschäftigungsverhältnissen. ? ? ? Die Zonen der Stabilität und der Unsicherheit scheinen einander zunehmend zu bedingen: Gerade der Anstieg der vom Normalarbeitsverhältnis abweichenden Beschäftigungsverhältnisse für die einen hilft die betriebsinternen Arbeitsmärkte der anderen stabilisieren, trägt also zur Beschäftigungssicherheit der so genannten Stamm- oder Kernbelegschaft und zu geringerer Fluktuation der Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen bei. Die prekäre Erwerbsbevölkerung, die so entsteht, ist nicht von Erwerbsarbeit ausgegrenzt, sondern erlebt in der Erwerbsbeteiligung die Ausgrenzung von arbeitsgesellschaftlichen Teilhabeversprechen. Ob in kürzeren oder längeren Phasen der ? meist nicht standardisierten ? Beschäftigung oder der Erwerbslosigkeit, ihre Erwerbsbeteiligung bleibt stets gefährdet, erreicht nicht mehr die gesellschaftlich noch weithin gültige Norm versicherter, un[...]

Diesem Dokument zugeordnet

Kategorie: Bildung (53), Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt (273), Vereinbarkeit in Stadt und Land (198)

Schlagworte: Arbeitszeit (61), Bildung (42), Deutschland (26), Erwerbstätigkeit (62), Kinderbetreuung (75), Sozioökonomie (2), Statistik (18)

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